Fachbegriffe aus Konstruktion, Werkzeugbau, Kunststoffspritzguss und PTC Creo.
A
Abkühlzeit
Spritzguss
Kurz erklärt: Die Abkühlzeit ist die Zeit zwischen dem Füllen der Kavität und dem Zeitpunkt, an dem das Bauteil formstabil ausgeworfen werden kann. Sie wird vor allem durch Werkstoff, Wanddicke, Werkzeugtemperatur und Kühlung beeinflusst.
Wie lässt sich die Abkühlzeit reduzieren? Durch werkstoffgerechte Wanddicken, effiziente Kühlkanäle und eine gleichmäßige Werkzeugtemperierung – ohne die Bauteilqualität zu gefährden.
Additive Fertigung
Produktentwicklung
Kurz erklärt: Bei der additiven Fertigung entstehen Bauteile schichtweise direkt aus 3D-Daten. Im Umfeld des Spritzgusses wird sie häufig für Prototypen, Vorrichtungen oder spezielle Werkzeugkomponenten eingesetzt.
Wann ist 3D-Druck statt Spritzguss sinnvoll? Vor allem bei frühen Prototypen, komplexen Geometrien und kleinen Stückzahlen; für hohe Stückzahlen bleibt Spritzguss meist wirtschaftlicher.
Anguss
Spritzguss
Kurz erklärt: Der Anguss ist der Übergang, über den die Kunststoffschmelze aus dem Angusssystem in die Kavität gelangt. Position, Größe und Geometrie beeinflussen Füllbild, Druckbedarf, Bindenähte und sichtbare Angussmarken.
Was beeinflusst die Angussposition? Bauteilgeometrie, Wanddicken, Fließwege, Optikflächen, Bindenähte, Entlüftung und das verwendete Material.
Angusssystem / Gating System
Spritzguss
Kurz erklärt: Das Angusssystem führt die Schmelze von der Maschinendüse bis in die Kavität. Es umfasst je nach Werkzeug Angussbuchse, Verteiler, Anschnitte sowie Kalt- oder Heißkanalkomponenten.
Was ist der Unterschied zwischen Kalt- und Heißkanal? Beim Kaltkanal erstarrt auch das Material im Verteiler; beim Heißkanal bleibt die Schmelze im System flüssig.
Auswerfer
Werkzeugbau
Kurz erklärt: Auswerfer sind bewegliche Werkzeugelemente, die das abgekühlte Bauteil nach dem Öffnen aus Kern oder Kavität lösen. Position und Dimensionierung müssen Entformkräfte, Bauteilgeometrie und sichtbare Flächen berücksichtigen.
Warum sind Auswerfer für Konstrukteure wichtig? Weil ihre Lage früh mit Rippen, Bossen, Kühlungen und Funktionsflächen abgestimmt werden muss.
B
Bauraum
Konstruktion
Kurz erklärt: Der Bauraum ist der geometrisch verfügbare Raum, in dem ein Bauteil oder eine Baugruppe konstruiert werden darf. Er wird durch Nachbarbauteile, Bewegungen, Montagewege und Schnittstellen begrenzt.
Was gehört zur Bauraumprüfung? Statische Hüllen, Bewegungsräume, Montagewege, Toleranzen und Servicezugänglichkeit.
Bemusterung / Erstbemusterung
Werkzeugkorrektur
Kurz erklärt: Bei der Bemusterung wird ein neues oder geändertes Spritzgießwerkzeug unter definierten Bedingungen erprobt. Die gefertigten Teile werden funktional, optisch und messtechnisch bewertet.
Was passiert nach der Erstbemusterung? Abweichungen werden bewertet; daraus können Prozessoptimierungen, Werkzeugkorrekturen oder Freigaben entstehen.
Bindenähte / Weld Lines
Spritzguss
Kurz erklärt: Bindenähte entstehen dort, wo getrennte Fließfronten der Kunststoffschmelze wieder zusammentreffen. Sie können optisch sichtbar sein und – abhängig von Material und Prozess – die lokale Festigkeit beeinflussen.
Wie lassen sich Bindenähte früh erkennen? Füllsimulationen zeigen, wo Fließfronten zusammentreffen und ermöglichen Änderungen vor dem Werkzeugbau.
C
CAD
CAD & Creo
Kurz erklärt: CAD (Computer-Aided Design) bezeichnet die rechnergestützte Erstellung und Änderung von 2D-Zeichnungen und 3D-Modellen. Moderne 3D-CAD-Systeme verbinden Konstruktion häufig mit Simulation, Fertigung und Produktdaten.
Was ist der Unterschied zwischen CAD und CAE? CAD beschreibt die Geometrie und Konstruktion; CAE nutzt digitale Modelle für technische Analysen und Simulationen.
CAE
Simulation
Kurz erklärt: CAE (Computer-Aided Engineering) umfasst rechnergestützte Methoden zur Analyse und Absicherung technischer Produkte, beispielsweise FEM, Strömungs- oder Spritzgusssimulationen.
Wie hängen CAD und CAE zusammen? Das CAD-Modell liefert Geometrie und Randbedingungen; CAE bewertet das Verhalten unter definierten Lasten oder Prozessbedingungen.
CAM
CAD & Fertigung
Kurz erklärt: CAM (Computer-Aided Manufacturing) bezeichnet die rechnergestützte Planung und Erzeugung von Fertigungsdaten, etwa Werkzeugwegen für CNC-Maschinen. CAD und CAM sind im Werkzeugbau eng gekoppelt.
Warum ist Assoziativität wichtig? Wenn CAD-Geometrie und Fertigungsdaten verknüpft sind, können Änderungen mit weniger manueller Nacharbeit weitergegeben werden.
CFD
Simulation
Kurz erklärt: CFD (Computational Fluid Dynamics) simuliert Strömungen und Wärmeübertragung numerisch. Im Werkzeugbau kann CFD beispielsweise zur Bewertung von Temperiermedien und Kühlkonzepten eingesetzt werden.
Ist CFD dasselbe wie Spritzgusssimulation? Nein. Spritzgusssimulation modelliert speziell das Füllen, Nachdruck, Abkühlen und ggf. Verzug des Kunststoffs; CFD ist allgemeiner.
CNC
Fertigung
Kurz erklärt: CNC steht für Computerized Numerical Control und bezeichnet die numerisch gesteuerte Bearbeitung von Werkstücken. Im Werkzeugbau werden Formeinsätze, Platten und Elektroden typischerweise CNC-gefertigt.
Was bedeutet fertigungsgerecht bei CNC? Zugängliche Bearbeitungsflächen, geeignete Radien, realistische Toleranzen und eine sinnvolle Aufspannung.
Creo Parametric
CAD & Creo
Kurz erklärt: PTC Creo ist eine parametrische 3D-CAD-Plattform für Produktentwicklung, Engineering und Fertigung. Sie verbindet unter anderem parametrische Modellierung, Simulation, Model-Based Definition und Fertigungsworkflows in einer assoziativen Umgebung.
Warum ist parametrisches Modellieren nützlich? Maße, Beziehungen und Features bilden Konstruktionsabsicht ab, sodass Änderungen kontrolliert durch das Modell propagiert werden können.
D
Design for Manufacturing (DFM)
Produktentwicklung
Kurz erklärt: Design for Manufacturing bedeutet, ein Bauteil von Anfang an so zu gestalten, dass es mit dem vorgesehenen Fertigungsverfahren robust und wirtschaftlich hergestellt werden kann.
Wann beginnt DFM? Idealerweise bereits in Konzept und Produktentwicklung – nicht erst beim fertigen CAD-Modell.
Digital Thread / Digitaler Faden
Digital Engineering
Kurz erklärt: Der Digital Thread beschreibt einen durchgängigen Informationsfluss über den Produktlebenszyklus – von Anforderungen und Konstruktion über Simulation und Fertigung bis zu Qualität und Service.
Welche Rolle spielt CAD? Das 3D-Modell ist häufig ein zentraler Datenbaustein, insbesondere in MBD- und PLM-Prozessen.
Digital Twin / Digitaler Zwilling
Digital Engineering
Kurz erklärt: Ein Digital Twin ist eine digitale Repräsentation eines realen Produkts, Systems oder Prozesses, die mit realen oder simulierten Daten verbunden werden kann.
Ist jedes CAD-Modell ein Digital Twin? Nein. Ein CAD-Modell wird erst durch zusätzliche Daten, Zustände und Beziehungen zu einem umfassenderen digitalen Zwilling.
Direct Modeling
CAD & Creo
Kurz erklärt: Beim Direct Modeling wird Geometrie unmittelbar verändert, ohne dass der Anwender zwingend die ursprüngliche Feature-Historie bearbeiten muss. Das ist hilfreich bei Fremddaten und schnellen Geometrieänderungen.
Parametrisch oder direkt? Beides hat seinen Platz: parametrisch für robuste Konstruktionsabsicht, direkt für flexible lokale Änderungen und Fremdgeometrie.
Duroplaste
Werkstoffe
Kurz erklärt: Duroplaste sind Kunststoffe, die während der Verarbeitung chemisch vernetzen und danach nicht erneut aufgeschmolzen werden können. Beispiele sind Epoxid-, Phenol- und Melaminharze.
Thermoplast oder Duroplast? Thermoplaste erweichen wieder beim Erwärmen; Duroplaste bleiben nach der Vernetzung formstabil.
E
Einfallstelle / Sink Mark
Spritzgussfehler
Kurz erklärt: Einfallstellen sind lokale Vertiefungen auf der Bauteiloberfläche. Sie entstehen häufig dort, wo dicke Materialanhäufungen langsamer abkühlen und stärker nachschwinden.
Was ist der Unterschied zwischen Einfallstelle und Lunker? Einfallstellen sind außen sichtbar; Lunker sind Hohlräume im Inneren.
Elastomere
Werkstoffe
Kurz erklärt: Elastomere sind elastisch verformbare, vernetzte Werkstoffe, die nach Entlastung weitgehend in ihre Ausgangsform zurückkehren. Typische Anwendungen sind Dichtungen und Dämpfungselemente.
Sind TPE Elastomere? Thermoplastische Elastomere verhalten sich elastisch, lassen sich aber thermoplastisch verarbeiten; klassisch vernetzte Elastomere nicht.
EMX – Expert Moldbase Extension
Creo & Werkzeugbau
Kurz erklärt: EMX von B&W Software ist eine vollständig in Creo Parametric integrierte Erweiterung für den Aufbau von Spritzgießwerkzeugen. Sie unterstützt unter anderem Werkzeugaufbau, Normteile, Kühlkreisläufe, Auswerfer und Stücklisten.
Was bringt EMX jungen Konstrukteuren? Es zeigt, wie Standardisierung und Automatisierung Routinearbeit reduzieren, ohne die konstruktive Verantwortung zu ersetzen.
Entformungsschräge / Draft Angle
Spritzgussgerechte Konstruktion
Kurz erklärt: Entformungsschrägen sind leichte Neigungen an Flächen parallel zur Öffnungsrichtung des Werkzeugs. Sie reduzieren Reibung und Entformkräfte beim Auswerfen.
Warum früh berücksichtigen? Nachträglich ergänzte Entformung kann Designflächen, Maße und Trennungen beeinflussen.
Entlüftung / Venting
Werkzeugbau
Kurz erklärt: Entlüftungen führen Luft und Prozessgase aus der Kavität ab, während die Kunststoffschmelze einströmt. Unzureichende Entlüftung kann Füllprobleme, Verbrennungen oder hohe Drücke verursachen.
Wo wird entlüftet? Häufig an Fließwegenden, Trennebenen, Auswerfern oder speziell vorgesehenen Entlüftungselementen.
F
FEM
Simulation
Kurz erklärt: Die Finite-Elemente-Methode (FEM) zerlegt ein Bauteil rechnerisch in viele kleine Elemente, um beispielsweise Spannungen, Verformungen oder Temperaturen zu berechnen.
Wann ist FEM sinnvoll? Wenn konstruktive Entscheidungen quantitativ abgesichert oder Varianten verglichen werden sollen.
Fertigungsgerechte Konstruktion
Konstruktion
Kurz erklärt: Fertigungsgerechte Konstruktion berücksichtigt bereits im CAD-Modell die Möglichkeiten, Grenzen und Kosten des vorgesehenen Fertigungsverfahrens.
Warum spart das Zeit? Weil Probleme nicht erst in Fertigung oder Bemusterung sichtbar werden.
Fließsimulation / Füllsimulation
Simulation
Kurz erklärt: Eine Spritzguss- oder Füllsimulation bildet das Fließen der Kunststoffschmelze im Werkzeug virtuell ab. Je nach Software können zusätzlich Druck, Temperatur, Nachdruck, Kühlung, Schwindung und Verzug analysiert werden.
Was liefert eine Verzugsberechnung? Eine prognostizierte Abweichungsgeometrie, die als Grundlage für konstruktive Gegenmaßnahmen dienen kann.
G
Generative Design
CAD & KI
Kurz erklärt: Generative Design erzeugt auf Basis definierter Ziele, Lasten, Materialien und Fertigungsrestriktionen automatisch Konstruktionsvarianten. Der Ingenieur definiert Randbedingungen und bewertet die vorgeschlagenen Lösungen.
Ersetzt Generative Design den Konstrukteur? Nein. Zieldefinition, Randbedingungen, Bewertung, Fertigbarkeit und Freigabe bleiben Engineering-Aufgaben.
Grat / Flash
Spritzgussfehler
Kurz erklärt: Grat ist dünnes überschüssiges Material, das dort entsteht, wo Schmelze in Spalte zwischen Werkzeugflächen eindringt – häufig an Trennfugen oder beweglichen Einsätzen.
Warum konstruktiv relevant? Trennflächen und Shut-offs müssen so gestaltet sein, dass sie sicher abdichten und fertigungstechnisch beherrschbar bleiben.
H
Heißkanal / Hot Runner
Werkzeugbau
Kurz erklärt: Ein Heißkanalsystem hält die Kunststoffschmelze im Verteilsystem bis zum Anschnitt flüssig. Dadurch kann der erstarrende Kaltkanal entfallen.
Wann lohnt sich Heißkanal? Häufig bei hohen Stückzahlen, teuren Materialien, Mehrfachkavitäten oder anspruchsvoller Anspritzung.
Hinterschnitt
Spritzgussgerechte Konstruktion
Kurz erklärt: Ein Hinterschnitt verhindert, dass ein Bauteil in der Hauptentformungsrichtung geradlinig aus dem Werkzeug gezogen werden kann.
Warum teuer? Zusätzliche Bewegungen erhöhen Werkzeugkomplexität, Bauraum, Wartung und Zyklusrisiko.
I
Inserttechnik / Insert Molding
Spritzguss
Kurz erklärt: Beim Insert Molding werden Einlegeteile – häufig aus Metall – in das Werkzeug eingelegt und anschließend mit Kunststoff umspritzt.
Was muss konstruktiv beachtet werden? Fixierung des Inserts, Dichtflächen, Umspritzung, thermische Effekte, Toleranzen und automatisierbare Zuführung.
J
Jetting
Spritzgussfehler
Kurz erklärt: Jetting ist ein strahlförmiges Einströmen der Schmelze in einen größeren Kavitätsbereich. Der Strahl legt sich schlangenförmig ab und kann sichtbare Linien oder ungleichmäßige Verschweißung verursachen.
Warum hilft Simulation? Sie macht ungünstige Strömungsmuster bereits vor dem Werkzeugbau sichtbar.
K
Kaltkanal / Cold Runner
Werkzeugbau
Kurz erklärt: Beim Kaltkanal erstarrt die Schmelze im Verteilsystem zusammen mit dem Bauteil und wird nach dem Öffnen ausgeworfen oder getrennt.
Kalt- oder Heißkanal? Die Entscheidung hängt u. a. von Stückzahl, Materialpreis, Bauteil, Zykluszeit und Werkzeugbudget ab.
Kavität / Cavity
Werkzeugbau
Kurz erklärt: Die Kavität ist der formgebende Hohlraum des Spritzgießwerkzeugs. Zusammen mit Kern und weiteren Formelementen bildet sie die Bauteilgeometrie ab.
Was ist Kern und Kavität? Vereinfacht bildet die Kavitätsseite häufig Außenflächen, der Kern viele Innenkonturen – die konkrete Aufteilung ist bauteilabhängig.
Kern / Core
Werkzeugbau
Kurz erklärt: Der Kern ist ein formgebender Werkzeugbereich, der typischerweise Innenkonturen, Öffnungen oder Vertiefungen des Kunststoffteils erzeugt.
Warum ist der Kern bei Verzug relevant? Kühlung, Steifigkeit und lokale Geometrie beeinflussen die thermische und mechanische Historie des Bauteils.
Konstruktion
Konstruktion
Kurz erklärt: Konstruktion ist die systematische Ausarbeitung einer technischen Lösung vom Konzept bis zum fertigungsgerechten, dokumentierten Produkt oder Werkzeug.
Was unterscheidet Konstruktion von Zeichnen? Konstruktion trifft und begründet technische Entscheidungen; CAD ist dabei ein Werkzeug.
Korrekturfläche
Werkzeugkorrektur
Kurz erklärt: Eine Korrekturfläche ist eine gezielt veränderte CAD-Geometrie, mit der eine gemessene oder simulierte Bauteilabweichung konstruktiv kompensiert werden soll.
Warum ist Referenzerhalt wichtig? Nachgelagerte Features und Fertigungsdaten sollen Änderungen möglichst robust mitführen.
Korrekturzyklus / Korrekturschleife
Werkzeugkorrektur
Kurz erklärt: Ein Korrekturzyklus umfasst typischerweise Bemusterung, Messung bzw. Bewertung, konstruktive Änderung, Werkzeuganpassung und erneute Bemusterung.
Wie kann Software helfen? Durch reproduzierbare Geometrieänderungen, bessere Nutzung von Mess-/Simulationsdaten und weniger manuelle Modellierarbeit.
Kühlkanal / Temperierung
Werkzeugbau
Kurz erklärt: Kühl- bzw. Temperierkanäle führen ein Temperiermedium durch das Werkzeug, um Wärme gezielt abzuführen oder die Werkzeugtemperatur zu regeln.
Was ist konturnahe Kühlung? Kühlkanäle folgen der Bauteilkontur enger als klassische Bohrungen; additive Fertigung kann solche Geometrien ermöglichen.
Kunststoffschwindung
Spritzguss
Kurz erklärt: Schwindung bezeichnet die dimensionsmäßige Verringerung des Kunststoffs beim Abkühlen und Erstarren. Höhe und Richtung hängen von Material, Faserorientierung, Geometrie und Prozess ab.
Schwindung oder Verzug? Schwindung ist Größenänderung; ungleichmäßige bzw. richtungsabhängige Schwindung kann zu Verzug führen.
L
Lunker / Void
Spritzgussfehler
Kurz erklärt: Lunker sind Hohlräume im Inneren eines Kunststoffteils, häufig in dickeren Bereichen, wenn die Volumenschwindung beim Abkühlen nicht ausreichend kompensiert wird.
Warum sind Lunker kritisch? Sie können Festigkeit und Maßhaltigkeit beeinträchtigen, obwohl die Oberfläche unauffällig aussieht.
M
MBD – Model-Based Definition
Digital Engineering
Kurz erklärt: Model-Based Definition bedeutet, Produkt- und Fertigungsinformationen direkt am 3D-Modell zu hinterlegen. Das 3D-Modell wird damit zur maßgeblichen Informationsquelle statt einer separaten 2D-Zeichnung.
Was ist PMI? Product Manufacturing Information umfasst fertigungstechnische Informationen wie Maße, Toleranzen, Oberflächen und Anmerkungen.
Messtechnik / 3D-Scan
Werkzeugkorrektur
Kurz erklärt: Messtechnik erfasst die tatsächliche Geometrie eines Bauteils. Neben taktilen Koordinatenmessgeräten werden optische Scanner eingesetzt, die dichte Punktwolken oder triangulierte Oberflächen erzeugen.
Warum 3D statt Einzelmaße? Flächenhafte Messdaten zeigen Formabweichungen über größere Bereiche und sind besonders für Verzug interessant.
Moldflow / Spritzgusssimulation
Simulation
Kurz erklärt: Moldflow wird häufig als Sammelbegriff für Spritzgusssimulation verwendet, ist aber zugleich ein Produktname von Autodesk. Solche Systeme simulieren Füllung, Nachdruck, Kühlung und Verzug.
Simulation oder Messung? Simulation prognostiziert; Messung beschreibt das reale Bauteil. Beide Datenquellen können sich im Korrekturprozess ergänzen.
N
Nachdruck
Spritzguss
Kurz erklärt: Nach dem volumetrischen Füllen wird über den Nachdruck weitere Schmelze in die Kavität gedrückt, um die Volumenschwindung während des Abkühlens teilweise auszugleichen.
Wann endet der wirksame Nachdruck? Wenn der Anschnitt so weit erstarrt ist, dass kein nennenswerter Materialnachfluss mehr möglich ist.
Normalien
Werkzeugbau
Kurz erklärt: Normalien sind standardisierte Kauf- oder Katalogteile für Werkzeuge, etwa Auswerfer, Führungen, Schrauben, Kühlkomponenten oder Platten.
O
Oberflächenfinish
Spritzgussgerechte Konstruktion
Kurz erklärt: Das Oberflächenfinish beschreibt die sicht- und fühlbare Beschaffenheit einer Bauteiloberfläche, etwa poliert, matt oder strukturiert. Im Spritzguss wird sie wesentlich durch die Werkzeugoberfläche übertragen.
Was muss im CAD berücksichtigt werden? Designfläche, Entformungsrichtung, Texturtiefe, sichtbare Trennfugen und mögliche Auswerfermarken.
P
Parametrisches CAD
CAD & Creo
Kurz erklärt: Beim parametrischen CAD wird Geometrie über Features, Maße, Beziehungen und Randbedingungen beschrieben. Dadurch kann die Konstruktionsabsicht im Modell abgebildet werden.
Was ist Design Intent? Die im Modell hinterlegte Absicht, wie sich Geometrie bei Änderungen verhalten soll.
PMI – Product Manufacturing Information
Digital Engineering
Kurz erklärt: PMI bezeichnet produktionsrelevante Informationen, die direkt mit dem 3D-Modell verknüpft werden können – etwa Maße, geometrische Toleranzen, Oberflächenangaben oder Notizen.
Warum maschinenlesbar? Strukturierte PMI kann von CAM-, CMM- oder weiteren Systemen automatisiert ausgewertet werden.
Produktentwicklung
Produktentwicklung
Kurz erklärt: Produktentwicklung führt Anforderungen über Konzept, Konstruktion, Validierung und Industrialisierung zu einem herstellbaren Produkt. Gute Entwicklung betrachtet Funktion, Kosten, Fertigung, Montage und Lebenszyklus gemeinsam.
Was ist der Vorteil früher Fertigungsintegration? Änderungen sind in frühen Phasen meist schneller und kostengünstiger als nach Werkzeugfertigung.
Prototyping
Produktentwicklung
Kurz erklärt: Prototyping bezeichnet den Bau oder die virtuelle Erstellung von Modellen, mit denen Funktion, Geometrie, Montage oder Nutzerinteraktion geprüft werden.
Muss ein Prototyp aus Serienmaterial bestehen? Nicht immer. Das hängt davon ab, welche Eigenschaft tatsächlich validiert werden soll.
R
Rapid Tooling
Werkzeugbau
Kurz erklärt: Rapid Tooling umfasst Verfahren zur beschleunigten Herstellung von Werkzeugen oder Werkzeugeinsätzen, häufig für Prototypen, Vorserien oder kleinere Stückzahlen.
Was ist der Trade-off? Kürzere Vorlaufzeit steht häufig einer geringeren Standzeit oder eingeschränkten Komplexität gegenüber.
Referenzerhalt / Assoziativität
CAD & Creo
Kurz erklärt: Referenzerhalt bedeutet, dass geometrische Beziehungen und Abhängigkeiten eines CAD-Modells bei Änderungen möglichst stabil bleiben. Assoziativität sorgt dafür, dass abhängige Informationen mitgeführt werden.
Reverse Engineering
CAD & Messtechnik
Kurz erklärt: Reverse Engineering rekonstruiert digitale Geometrie aus einem vorhandenen physischen Bauteil, beispielsweise auf Basis eines 3D-Scans.
Was ist der Unterschied zur Werkzeugkorrektur? Reverse Engineering rekonstruiert Geometrie; Werkzeugkorrektur verändert gezielt die Sollgeometrie, um ein gewünschtes Bauteilergebnis zu erreichen.
Rippe / Rib
Spritzgussgerechte Konstruktion
Kurz erklärt: Rippen sind dünne Verstärkungsgeometrien, die Bauteile steifer machen, ohne massive Wanddicken zu erzeugen. Das reduziert Gewicht und kann Einfallstellen gegenüber massiven Verstärkungen vermeiden.
Warum nicht einfach die Wand dicker machen? Dicke Bereiche kühlen langsamer und erhöhen das Risiko von Einfallstellen, Lunkern und Verzug.
S
Schließkraft
Spritzguss
Kurz erklärt: Die Schließkraft hält die Werkzeughälften während Einspritzen und Nachdruck geschlossen. Sie muss den aus Kavitätsdruck und projizierter Fläche resultierenden Öffnungskräften ausreichend entgegenwirken.
Wovon hängt die notwendige Schließkraft ab? Vor allem von projizierter Fläche, Kavitätsdruck, Kavitätenzahl und Sicherheitsreserve.
Schwindung
Spritzguss
Kurz erklärt: Schwindung ist die dimensionsmäßige Kontraktion des Kunststoffs beim Abkühlen. Sie wird in der Werkzeugauslegung berücksichtigt, ist aber material- und prozessabhängig und nicht immer isotrop.
Warum reicht ein pauschaler Schwindungsfaktor nicht immer? Komplexe Geometrien, unterschiedliche Wanddicken und Prozessbedingungen erzeugen lokale Unterschiede.
Simulation
Simulation
Kurz erklärt: Simulation bildet reale technische Vorgänge mit mathematischen Modellen virtuell nach. In der Produkt- und Werkzeugentwicklung reicht das Spektrum von FEM über CFD bis zur Spritzgusssimulation.
Was macht eine Simulation belastbar? Geeignete Modelle, realistische Randbedingungen, gute Eingangsdaten und fachkundige Interpretation.
Spritzguss / Spritzgießen
Spritzguss
Kurz erklärt: Beim Spritzgießen wird Kunststoff plastifiziert, unter Druck in ein geschlossenes Werkzeug eingespritzt, abgekühlt bzw. ausgehärtet und anschließend entformt. Das Verfahren ist besonders für reproduzierbare Serienbauteile geeignet.
Warum ist das Werkzeug so entscheidend? Es definiert Geometrie, Anspritzung, Temperierung, Entformung und viele qualitätsrelevante Randbedingungen.
Spritzgusszyklus
Spritzguss
Kurz erklärt: Der Spritzgusszyklus umfasst Werkzeug schließen, Einspritzen, Nachdruck, Abkühlen, Werkzeug öffnen und Auswerfen. Je nach Prozess kommen weitere Schritte hinzu.
Welche Schritte beeinflussen Bauteilverzug? Besonders Füllung, Nachdruck, Temperaturverteilung, Abkühlung und Entformung.
STL-Daten
CAD & Messtechnik
Kurz erklärt: STL beschreibt Oberflächen durch Dreiecksflächen. Das Format ist einfach und weit verbreitet für 3D-Druck, Simulationsergebnisse, Scans und geometrische Austauschprozesse, enthält aber keine parametrische Feature-Struktur.
Was ist der Unterschied zu STEP? STEP kann exakte CAD-Geometrie und weitere Produktdaten übertragen; STL ist eine triangulierte Approximation der Oberfläche.
T
TDO – Tool Design Option
Creo & Werkzeugbau
Kurz erklärt: TDO bezeichnet im ACT-/B&W-Umfeld eine Creo-basierte Lösung bzw. Methodik für Aufgaben der Werkzeugkonstruktion und Trennungsgeometrie. Im Glossar sollte der Begriff stets zusammen mit der konkret eingesetzten Produktversion beschrieben werden.
Temperierung
Werkzeugbau
Kurz erklärt: Temperierung umfasst die gezielte Regelung der Werkzeugtemperatur durch Kühl- oder Heizmedien. Ziel ist nicht einfach 'möglichst kalt', sondern eine reproduzierbare, möglichst gleichmäßige thermische Führung.
Was ist eine thermisch balancierte Form? Ein Werkzeug, dessen relevante Bereiche möglichst gleichmäßig und prozessgerecht temperiert werden.
Thermoplaste
Werkstoffe
Kurz erklärt: Thermoplaste erweichen beim Erwärmen und erstarren beim Abkühlen wieder. Diese reversible Verarbeitung macht sie zur wichtigsten Werkstoffgruppe im klassischen Kunststoffspritzguss.
Warum ist Materialauswahl konstruktiv? Werkstoff beeinflusst Wanddicken, Radien, Schnapphaken, Toleranzen, Schwindung und Werkzeugtemperatur.
Toleranzanalyse
Konstruktion
Kurz erklärt: Eine Toleranzanalyse untersucht, wie Maß- und Formabweichungen einzelner Komponenten die Funktion einer Baugruppe beeinflussen. Ziel ist eine funktional notwendige, aber wirtschaftlich herstellbare Tolerierung.
Was ist eine Toleranzkette? Die rechnerische Verknüpfung mehrerer Einzelabweichungen zu einer funktionsrelevanten Gesamtabweichung.
Topologieoptimierung
CAD & Simulation
Kurz erklärt: Topologieoptimierung verteilt Material innerhalb eines definierten Bauraums so, dass ein Ziel wie hohe Steifigkeit bei geringem Gewicht erreicht wird. Lasten, Lagerungen und Fertigungsrestriktionen bilden die Randbedingungen.
Wann ist sie interessant? Besonders im Leichtbau und bei funktionsoptimierten Komponenten.
Trennfuge / Parting Line
Werkzeugbau
Kurz erklärt: Die Trennfuge ist die sichtbare Linie am Bauteil, an der Werkzeughälften oder Formelemente aufeinandertreffen. Ihre Lage ergibt sich aus Entformungsrichtung, Geometrie und Werkzeugkonzept.
Kann die Trennfuge beliebig verschoben werden? Nein. Hinterschnitte, Entformung, Dichtflächen und Fertigbarkeit setzen Grenzen.
Trennebene / Parting Surface
Werkzeugbau
Kurz erklärt: Die Trennebene bzw. Trennfläche ist die geometrische Fläche, entlang der das Werkzeug geöffnet und abgedichtet wird. Bei komplexen Bauteilen ist sie häufig keine einfache Ebene.
Wie unterscheidet sie sich von der Trennfuge? Die Trennfläche liegt im Werkzeug; die Trennfuge ist ihre sichtbare Spur am Bauteil.
V
Verzug / Warpage
Werkzeugkorrektur
Kurz erklärt: Verzug ist eine Formabweichung des abgekühlten Bauteils gegenüber der Sollgeometrie. Ursachen sind unter anderem ungleichmäßige Schwindung, Temperaturunterschiede, Faserorientierung, Geometrie und Prozessbedingungen.
Kann Verzug vollständig vermieden werden? Nicht immer. Ziel ist, Ursachen zu minimieren und verbleibende systematische Abweichungen kontrolliert zu kompensieren.
Verzugsanalyse
Werkzeugkorrektur
Kurz erklärt: Die Verzugsanalyse bewertet Richtung und Größe der Abweichung zwischen Soll- und prognostizierter bzw. gemessener Ist-Geometrie. Sie kann auf Simulation oder 3D-Messung basieren.
Was ist der nächste Schritt? Abweichung bewerten, Ursache verstehen und entscheiden, ob Prozess-, Bauteil- oder Werkzeugkorrektur die sinnvollste Maßnahme ist.
Vorhalte / Werkzeugvorhaltung
Werkzeugkorrektur
Kurz erklärt: Bei einer Vorhalte wird die Werkzeug- bzw. Artikelgeometrie bewusst gegen eine erwartete Verformung verändert, damit das reale Bauteil nach dem Spritzguss näher an der Sollgeometrie liegt.
Was ist der Unterschied zur Korrektur nach Bemusterung? Vorhalte kann bereits vor dem ersten Werkzeugschuss erfolgen; nach der Bemusterung basiert die Korrektur auf realen Bauteildaten.
W
Wanddicke
Spritzgussgerechte Konstruktion
Kurz erklärt: Die Wanddicke beeinflusst Füllbarkeit, Abkühlung, Gewicht, Festigkeit, Einfallstellen und Verzug. Für Spritzgussteile ist eine möglichst gleichmäßige, materialgerechte Wanddicke ein zentrales DFM-Prinzip.
Gibt es eine universelle ideale Wanddicke? Nein. Sie hängt von Werkstoff, Fließweg, Funktion, Bauteilgröße und Prozess ab.
Werkstoffauswahl
Produktentwicklung
Kurz erklärt: Die Werkstoffauswahl verbindet Anforderungen wie Festigkeit, Temperatur, Chemikalienbeständigkeit, Reibung, Optik, Kosten und Verarbeitbarkeit mit einem geeigneten Kunststoff.
Wann sollte der Werkstoff feststehen? So früh wie sinnvoll, weil er viele Geometrie- und Prozessentscheidungen beeinflusst.
Werkzeugkonstruktion
Werkzeugbau
Kurz erklärt: Werkzeugkonstruktion überführt Bauteilgeometrie und Produktionsanforderungen in ein fertigungsgerechtes Spritzgießwerkzeug. Dazu gehören Formaufteilung, Einsätze, Anguss, Temperierung, Entformung, Auswerfer, Führungen und Normalien.
Was macht eine gute Werkzeugkonstruktion aus? Robustheit, Wartbarkeit, Fertigbarkeit, reproduzierbare Qualität und ein klarer Änderungsprozess.
Werkzeugkorrektur
Werkzeugkorrektur
Kurz erklärt: Werkzeugkorrektur umfasst konstruktive und fertigungstechnische Änderungen am Spritzgießwerkzeug, um Abweichungen des Bauteils zu reduzieren oder Funktionen zu verbessern.
Was kann automatisiert werden? Vor allem die Übertragung flächenhafter Abweichungsinformationen in reproduzierbare CAD-Korrekturen; die technische Entscheidung bleibt beim Konstrukteur.
Z
Zweikomponentenspritzguss / 2K
Spritzguss
Kurz erklärt: Beim Zweikomponentenspritzguss werden zwei Materialien oder Materialvarianten in einem Werkzeug bzw. Prozess zu einem Bauteil kombiniert.
Warum ist 2K anspruchsvoller? Materialhaftung, Schwindung, Werkzeugbewegungen, Abdichtung und Prozessfenster müssen für beide Komponenten zusammenpassen.
Zykluszeit
Spritzguss
Kurz erklärt: Die Zykluszeit ist die Dauer eines vollständigen Produktionszyklus vom Schließen des Werkzeugs bis zum nächsten Zyklus. Sie umfasst Füllen, Nachdruck, Abkühlen, Öffnen, Auswerfen und Nebenzeiten.
Welche konstruktiven Faktoren wirken auf die Zykluszeit? Wanddicken, Temperierung, Entformung, Werkzeugbewegungen und Bauteilhandling.
